Zusammenfassung

  • Starker Rückgang der M&A-Aktivität in der DACH-Region
    2025 fällt die Zahl der M&A-Transaktionen im Automobilsektor in DACH um ca. 30 % auf 57, europaweit (ohne DACH) um 22 % auf 196. Der Einbruch ist somit in DACH besonders ausgeprägt.
  • Käuferstruktur: Europäische Zulieferer dominieren
    Etwa zwei Drittel der Käufer kommen aus Europa, über 70 % sind strategische Investoren – meist Zulieferer. OEMs agieren vor allem durch Partnerschaften und Joint Ventures.
  • M&A als Treiber technologischer Transformation
    Transaktionen sichern Zugang zu Software, Elektrifizierung und neuen Geschäftsmodellen. M&A bleibt zentral für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit.
  • Zunahme von Sondertransaktionen insbesondere durch Zuliefererinsolvenzen
    Mehr Restrukturierungen, Asset-Transaktionen und übertragende Sanierungen prägen den M&A-Markt, speziell im Zuliefererbereich.
  • 2026: Polarisierung zwischen Technologie und klassischen Komponenten- und System-Zulieferern
    Höhere Bewertungen für Technologieunternehmen (z.B. SDV, ADAS, Batterien); klassische Zulieferer stehen weiter unter Druck und sind häufiger von Insolvenz-nahen Transaktionen betroffen.
     

Die weltweite Automobilbranche befindet sich weiterhin in einem grundlegenden Wandel. Hohe Investitionen in neue Technologien, softwarebasierte Fahrzeugkonzepte, künstliche Intelligenz sowie innovative Mobilitäts- und Servicelösungen treffen auf anhaltenden Margendruck, schwankende Lieferketten und eine wirtschaftliche Abkühlung wichtiger Absatzmärkte. Für viele Unternehmen wird es zunehmend schwieriger, die nötige Innovationskraft und Finanzmittel eigenständig aufzubringen. Auch volatile (geo-)politische Rahmenbedingungen kommen zum Tragen: Das Aufkommen von Zöllen und das Beschließen von Handelsabkommen bestimmen Überlegungen zum Footprint neben Energie- und Personalkosten, die ein hohes Gewicht in derartigen Orientierungen einnehmen. Politisch sind Unterstützungsleistungen in Form von Subventionen (z.B. für batterie-elektrische Fahrzeuge) ein Faktor, den die OEMs und Zulieferer berücksichtigen müssen.

Insbesondere in Deutschland, wo die Automobilindustrie traditionell von starken Herstellern und Zulieferern geprägt ist, beschleunigt sich aktuell die Marktbereinigung. Während große Unternehmen ihre Schwerpunkte neu ausrichten und sich von Randbereichen trennen, geraten mittelständische Zulieferer durch den technologischen Wandel stärker unter Druck. Einige Zulieferer prüfen inzwischen verstärkt den Einstieg in die Rüstungsindustrie, um sinkende Auftragszahlen der Autobauer abzufedern und Kapazitäten neu zu nutzen.

Gleichzeitig eröffnen sich durch neue Wachstumsfelder – insbesondere bei Batterietechnik, Softwarelösungen, Fahrassistenzsystemen und datengetriebenen Diensten – attraktive Möglichkeiten für Investoren und Unternehmen.

Vor diesem Hintergrund bleibt die Übernahme von Unternehmen das wichtigste Mittel, um technologische Kompetenzen zu sichern, neue Geschäftsfelder zu erschließen und das Unternehmensportfolio zukunftsorientiert auszurichten. Ergänzend ist ein leichter Anstieg von gemeinschaftlichen Projekten wie Partnerschaften und Zusammenschlüssen zu beobachten. Diese spielen vor allem in der DACH-Region eine Rolle bei der risikoarmen Entwicklung neuer Technologien, bleiben aber deutlich hinter klassischen Unternehmensübernahmen zurück und dienen vor allem als Ergänzung. Die Aussichten für 2026 stehen daher ganz im Zeichen des technologischen Wandels: Unternehmen, die ihre Position durch gezielte Übernahmen stärken, werden in der kommenden Marktphase nachhaltige Vorteile erzielen.

Marktüberblick

 


Die Zahlen belegen: Nach stabilen Transaktionsvolumina von 2022 bis 2024 geht die Anzahl der Unternehmensübernahmen im Automobilbereich 2025 deutlich zurück – sowohl in der DACH-Region insgesamt als auch in wichtigen europäischen Märkten wie Großbritannien. Besonders betroffen ist die DACH-Region, wo die Anzahl der Transaktionen von 80 (2024) auf 57 (2025) sinkt. Davon entfallen auf Deutschland 49, Österreich 6 und die Schweiz 2.

Der Rückgang erstreckt sich auf ganz Europa (Ausnahme: Italien) und ist auf verschiedene Faktoren zurückzuführen: gestiegene Finanzierungskosten, sinkende Unternehmensbewertungen, Rückgang der Absätze und Umsätze im Automobilbereich in Verbindung mit einer stark gestiegenen Kostenbasis sowie politische und wirtschaftliche Unsicherheiten. Diese Faktoren prägen alle wichtigen Märkte, sind in der DACH-Region jedoch besonders ausgeprägt. In Deutschland verschärfen zudem schwankende Lieferketten und hoher Margendruck die Investitionszurückhaltung. Investoren konzentrieren sich europaweit auf Zukunftstechnologien wie Batterietechnik und Fahrassistenzsysteme, während klassische Zulieferer gemieden werden. Insgesamt zeigt sich ein Trend zu gezielteren und wertorientierten Übernahmen, der in der DACH-Region besonders deutlich zu beobachten ist.

Betrachtet man die Käuferstruktur, stammen in der DACH-Region rund drei Viertel der Käufer aus Europa, was die regionale Ausrichtung des Marktes unterstreicht. Strategische Investoren führen den Großteil der Übernahmen durch. Der Markt ist aktuell von langfristigen Veränderungen, technischem Wandel und vertikaler Integration geprägt, kurzfristige Optimierungen spielen eine geringere Rolle. Die aktivsten Investoren in Sondersituationen sind etablierte Finanzinvestoren wie Aequita, Aurelius und Mutares; erst an fünfter Stelle der Gesamtansicht folgt mit Deutz ein strategischer Käufer.

Insgesamt verdeutlicht die Analyse der Käuferstruktur, dass der Einbruch 2025 keine einzelne Gruppe betrifft, sondern den gesamten Markt. Strategische Investoren bleiben dominant bei klassischen Zukäufen, während Finanzinvestoren überproportional an Bedeutung verlieren aufgrund der angesprochenen Ausrichtung auf langfristige Veränderungen und der Abkehr von Deals in Sondersituationen.

Die hohe Zahl an Insolvenzen im Zuliefersektor und der Rückgang bei Unternehmensübernahmen zeigen den enormen Druck auf die Branche. Für viele Unternehmen wird die Übernahme zum Rettungsanker; allerdings klaffen Angebot und Nachfrage auseinander. Investoren suchen zukunftsfähige Technologien, während viele Zulieferer mit überholten Geschäftsmodellen kämpfen. Das Ergebnis sind mehr Übernahmen in schwierigen Situationen, viele Verkäufe unter Druck und selektives Investoreninteresse. Die Branche befindet sich im Wandel; klare Gewinner sind bislang nicht erkennbar.

Treiber für Portfolio-Optimierungen und Unternehmensübernahmen

Technologischer Wandel, politischer und regulatorischer Druck, mehr Insolvenzen im Zulieferbereich sowie der Zwang zu kürzeren Innovationszyklen und rascher Kompetenzsicherung sind zentrale Gründe für Anpassungen und Übernahmen.

Transformationsdruck durch neue Technologien

Elektrifizierung, softwarebasierte Fahrzeugarchitekturen, automatisierte Fahrsysteme und neue Mobilitätsformen verändern Wertschöpfung und Geschäftsmodelle grundlegend. Viele Unternehmen können wichtige Kompetenzen nicht schnell genug selbst aufbauen – Übernahmen werden zum zentralen Zugang zu Technologie, geistigem Eigentum und Fachwissen.

Politischer und regulatorischer Druck

Strengere CO-Vorgaben und verschärfte Anforderungen an Nachhaltigkeit und Digitalisierung erhöhen den Transformationsdruck. Unternehmen suchen fokussiert nach Übernahmezielen, die relevante Fähigkeiten wie Batterietechnik oder emissionsarme Produktion bieten.

Chancen durch Insolvenzen

Der zunehmende wirtschaftliche Druck im Zuliefersektor führt zu mehr Insolvenzen. Für strategische Käufer und Finanzinvestoren entstehen Möglichkeiten für Übernahmen und Restrukturierungen, vor allem in Bereichen, die trotz Wandel weiterhin attraktiv sind.

Beschleunigte Innovationszyklen

Da Innovationsphasen immer kürzer werden, ist rasches Handeln entscheidend. Übernahmen und Beteiligungen ermöglichen Unternehmen, direkt an zukunftsträchtigen Technologien und Märkten teilzuhaben und Wettbewerbsnachteile gegenüber neuen Marktteilnehmern zu vermeiden.

Hemmnisse für Unternehmensübernahmen

Unsichere wirtschaftliche Aussichten, hohe Finanzierungskosten (wenn eine Finanzierungsmöglichkeit überhaupt möglich ist), unterschiedliche Preisvorstellungen und Integrationsrisiken durch bestehende Strukturen bremsen Übernahmen im Automobilsektor. Viele Transaktionen scheitern an vorsichtiger Bewertung und erschwerter Kapitalbeschaffung.

Wirtschaftliche Unsicherheit

Die schwache Marktlage – mit rückläufiger Fahrzeugnachfrage, Überkapazitäten und wachsender Abhängigkeit von China – führt zu zurückhaltenden Entscheidungen. Geopolitische Risiken und mögliche Zölle gegen chinesische E-Autos erschweren die Bewertung von Zielunternehmen und Absatzchancen. Viele Käufer warten ab, bis sich Nachfrage, Regulierung und Wettbewerb klarer abzeichnen.

Hohe Finanzierungskosten

Im Gegensatz zur Niedrigzinsphase bleibt Fremdkapital teuer, was kreditfinanzierte Übernahmen erschwert. Mittelständische Unternehmen geraten aus dem Fokus, wenn Verschuldung nicht tragfähig erscheint. Alternative Finanzierungsquellen wie private Kreditgeber und spezialisierte Fonds ermöglichen eine flexible Kapitalbereitstellung und so Transaktionen abseits klassischer Bankkredite, sind aber meist sehr teuer und werden immer selektiver.

Unterschiedliche Kaufpreisvorstellungen

Während Verkäufer an alten Bewertungsmaßstäben festhalten, kalkulieren Käufer aktuelle Risiken und den Wandel am Markt strenger ein. Diese Erwartungslücke führt oft zu stockenden oder abgebrochenen Verhandlungen.

Integrationsrisiken durch bestehende Strukturen

Hohe Fixkosten, erheblicher Investitionsbedarf und starre Tarifverträge erschweren Synergien und Kostensenkungen. In rückläufigen Märkten sind Effizienzsteigerungen meist nur mit großem Aufwand möglich, was Übernahmen weniger attraktiv macht.

Hypothesen & Ausblick für 2026

Für 2026 ist zu erwarten, dass M&A-Aktivitäten im Automobilsektor weiterhin stark von krisenbedingten Übernahmen und technologiegetriebenen Transaktionen geprägt werden. Die bekannten Herausforderungen rund um Finanzierung, Bewertung und bestehende Strukturen bleiben bestehen und wirken sich auf die Dynamik des Marktes aus.

Krisenbedingte Übernahmen im Fokus

Ein anhaltend hohes Maß an finanziellen Schwierigkeiten und Insolvenzen bei Zulieferern sorgt dafür, dass immer mehr Unternehmen zum Verkauf stehen. In diesem Umfeld gewinnen Transaktionen mit Sanierungscharakter und schnellen Abwicklungen an Bedeutung. Für Käufer rücken Möglichkeiten zur Stabilisierung und gezielten Sicherung von Kapazitäten und Technologien in den Vordergrund.

Technologieübernahmen bleiben selektiv – und teuer

Nach einer Phase des Bewertungsdrucks stabilisieren sich die Preise für Unternehmen mit Schlüsseltechnologien wieder. Besonders gefragt sind weiterhin Innovationen rund um Elektrifizierung, Digitalisierung und Automatisierung – etwa in den Bereichen Software, KI oder Batterietechnologie. Während für Spitzentechnologien hohe Summen gezahlt werden, geraten Standardzulieferer vermehrt unter Druck.

Geopolitische Einflüsse gewinnen an Gewicht

Geopolitische Spannungen und regulatorische Anforderungen beeinflussen Übernahmen stärker als klassische Finanzkennzahlen. Längere Prüfprozesse und striktere Vorgaben, insbesondere in Bezug auf lokale Wertschöpfung und Informationssicherheit, prägen den Markt. Unternehmen mit geringer Abhängigkeit von einzelnen Märkten oder Lieferketten sind besonders gefragt.