AlixPartners Disruption Index 2026: Disruption wird struktureller Dauerzustand der deutschen Wirtschaft

25. Februar 2026
  • Disruption in Deutschland pendelt sich auf hohem Niveau ein, Treiber werden intensiver und ändern sich häufiger
  • Luft-, Raumfahrt- und Verteidigungsindustrie besonders betroffen: Digitalisierungsschub und Konsolidierungswelle erwartet
  • Deutsche Unternehmen setzen angesichts des schwächelnden Heimatmarkts auf Auslandsexpansion und Künstliche Intelligenz als Wachstumstreiber

MÜNCHEN, 25. Februar 2026 – Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem Zustand anhaltender Unsicherheit. Das zeigt die diesjährige Disruption Index Studie der globalen Unternehmensberatung AlixPartners. Die Ergebnisse zeichnen das Bild einer deutschen Wirtschaft im Umbruch: Traditionelle Wirtschaftszyklen haben als Orientierungspunkte ausgedient; Disruption ist zum strukturellen Dauerzustand geworden.

Der Disruption Index misst das Ausmaß und die Häufigkeit von Disruptionen auf Basis einer internationalen Befragung von 3.200 Führungskräften, darunter 200 aus Deutschland. Der Disruption Index für Deutschland ist im Vergleich zum Vorjahr von 74 auf 67 Punkte leicht gesunken und hat sich auf einem dauerhaft hohen Niveau eingependelt.

Gleichzeitig haben sich die Treiber der Disruption fundamental verschoben. Während regulatorische Hürden und Lieferkettenprobleme an relativer Bedeutung verloren haben, dominieren externe Schocks die Agenda. Inflation, Zölle, volatile Energiepreise, geopolitische Verwerfungen sowie die Bedrohung durch Cyberkriminalität werden von deutschen Top-Entscheidern als primäre Risiken eingestuft.

Dr. Veit Buetterlin-Goldberg, Deutschland-Chef von AlixPartners, sagt: „Disruption ist zu einem strukturellen Dauerzustand der deutschen Wirtschaft geworden. Die deutschen Führungskräfte stehen angesichts der wirtschaftlichen Gesamtlage unter historischem Entscheidungsdruck, die Priorisierung der vielfältigen disruptiven Kräfte wird zunehmend zum Erfolgsfaktor. Wer die sich ständig verschiebenden Disruptionen jedoch als Chance begreift, das Kerngeschäft straff hält und klug investiert, kann daraus für das eigene Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil machen.“

Aerospace & Defense Sektor im Fokus globaler Krisen

Angesichts der aktuellen geopolitischen Lage ist die globale Luft-, Raumfahrt- und Verteidigungsindustrie (Aerospace & Defense) besonderen Veränderungen unterworfen. Die Notwendigkeit zur Transformation wird in diesem Sektor nahezu flächendeckend anerkannt: 90% der Führungskräfte geben an, dass sich ihr Unternehmen bereits in einem Transformationsprozess befindet. Dabei erwarten 62% der Branchenentscheider, dass disruptive Kräfte ihr Geschäftsmodell tiefgreifend verändern werden – ein Wert deutlich über dem branchenübergreifenden Durchschnitt von 54%. Bemerkenswert ist, dass sich die Aerospace & Defense Industrie deutlich besser auf eine zunehmend national geprägte Industriepolitik vorbereitet fühlt (64%) als der globale Marktdurchschnitt (56%).

Dr. Daniel Makowski, Partner und Leiter des Bereichs Luftfahrt bei AlixPartners in der DACH-Region, bestätigt: „Den Unternehmen aus der Luftfahrt- und Verteidigungsindustrie kommt eine wichtige strategische Rolle im derzeitigen volatilen geopolitischen Umfeld zu. Um kurzfristig den Ramp-up und mittelfristig die grundsätzliche Lieferfähigkeit zu gewährleisten, ist die Absicherung von Produktionskapazitäten, technologischen Fähigkeiten und kritischen Vorprodukten und Rohmaterialien enorm wichtig. Der konsequente Aufbau einer souveränen, europäischen oder aus zuverlässigen „Friendly Nations“ bestehenden Lieferkette ist für diese Unternehmen ein strategischer Kernaspekt, um internationale Abhängigkeiten zu reduzieren – China und die USA zeigen dieses Vorgehen eindrucksvoll am Beispiel der seltenen Erden. Um dieses Ziel zu erreichen, ist ein koordiniertes Vorgehen aus Politik, Industrie und Forschung mit dem Fokus auf Schlüsseltechnologien, zum Beispiel die Entwicklung von und Hoheit über KI-Lösungen, entscheidend.“

Insbesondere geopolitische Veränderungen wirken als Katalysator für einen massiven Digitalisierungsschub in der globalen Luft-, Raumfahrt- und Verteidigungsindustrie. 62% der Sektor-Verantwortlichen haben ihre Investitionen in Digitalisierung und neue Technologien gegenüber dem Vorjahr gesteigert. Cybersecurity (38%) und Künstliche Intelligenz (33%) führen dabei die Prioritätenliste an. Dem Einsatz von KI blickt die Branche mit großem Vertrauen entgegen: 79% bewerten den Einfluss optimistisch. Während 61% darin primär Wachstumschancen sehen, fokussieren sich auch 39% der Befragten auf Effizienzsteigerungen und Kostensenkungen im Zusammenhang mit KI.

Neben der technologischen Aufrüstung konzentrieren sich die strategischen Maßnahmen der Unternehmen auf die Steigerung der Profitabilität, die Bereinigung von Produktportfolios sowie die Expansion in neue Regionen. Ein kritischer Engpass bleibt jedoch die Lieferkette. Um Souveränität und Resilienz in der Beschaffung sicherzustellen, forcieren 71% der Befragten innerhalb der nächsten 12 Monate eine stärkere vertikale Integration. Für die Marktstruktur insgesamt prognostizieren zwei Drittel der Führungskräfte eine zunehmende Konsolidierungswelle.

„Insbesondere im Verteidigungssektor herrscht doppelter Druck: die Unternehmen müssen den Hochlauf und die Absicherung der eigenen Lieferfähigkeit sicherstellen und gleichzeitig auf neue Marktanforderungen und Technologien reagieren. Die engmaschige Verfolgung von Liefermeilensteilen und eine datenbasierte Programmplanung sind dafür essenziell. Im Bereich Transformation gilt es vor allem Skalierbarkeit, Kosteneffizienz, modulbasierte Entwicklung oder Software-Defined-Defense umzusetzen. Für Unternehmen und Führungskräfte bedeutet das eine massive Transformation, die sich auf alle Bereiche auswirkt – Geschäftsmodelle, Strukturen, Kultur und Prozesse – und die es nicht zu unterschätzen gilt.“, ergänzt Christian Leber, Partner und Leiter des AlixPartners-Teams für die Verteidigungsindustrie in DACH.

Wachstum durch Auslandsexpansion und KI

Aufgrund der Wachstumsschwäche im Heimatmarkt forcieren deutsche Unternehmen den Blick über die Grenzen: Für 50% der in Deutschland Befragten ist die Expansion in neue Märkte der entscheidende Hebel für die eigene Transformation. Im internationalen Vergleich ist das ein Spitzenwert – global sehen dies nur 38% der Befragten so. Parallel dazu hat Künstliche Intelligenz (KI) den Status eines Experimentierfeldes verlassen. 87% der in Deutschland befragten Führungskräfte blicken optimistisch auf den Einfluss von KI auf ihr Geschäftsmodell, 62% nutzen die Technologie gezielt als Wachstumsmotor. Rund 67% prognostizieren jedoch auch, dass der Einsatz von KI innerhalb der kommenden fünf Jahre zu einem Stellenabbau führen wird.

 

Über den AlixPartners Disruption Index 2026

Der AlixPartners Disruption Index 2026 misst das Ausmaß und die Häufigkeit von Disruptionen. In der Umfrage 2026, auf der der Index basiert, wurden CEOs und andere Führungskräfte aus 10 Branchen und 11 Ländern befragt, inwieweit ihr Unternehmen von Disruptionen betroffen ist, welche Kräfte auf sie einwirken, wie schnell die Disruptionen zunehmen und welche Strategien sie anwenden, um ihnen zu begegnen. Die Umfrage wurde im Herbst 2025 durchgeführt. Befragt wurden 3.200 Führungskräfte im Alter von 25 bis 65 Jahren, die mindestens auf Geschäftsführungsebene beschäftigt sind und für ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 100 Millionen US-Dollar arbeiten. Darunter waren 200 Führungskräfte aus Deutschland.

 

Über AlixPartners

Expertise, Umsetzungsstärke, Verantwortung – AlixPartners steht für messbare Ergebnisse „when it really matters“. Als global agierende Unternehmensberatung helfen wir unseren Klienten dabei, schnell und entschlossen auf ihre wichtigsten Herausforderungen zu reagieren. Unsere erfahrenen Beraterinnen und Berater sind spezialisiert darauf, Unternehmenswerte zu schaffen, zu schützen und wiederherzustellen. Vom „manager magazin“ und der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Management & Beratung (WGMB) wurde AlixPartners 2025 erneut für seine Umsetzungsstärke ausgezeichnet. Seit über 40 Jahren unterstützen rund 3.500 MitarbeiterInnen in 27 Büros weltweit die Klienten von AlixPartners.

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