AlixPartners-Studie: Europas Glasfasermarkt vor Konsolidierungswelle – Deutschland hinkt bei Nutzung hinterher
- Branche erwartet hohen Refinanzierungsbedarf: 62% der deutschen Anbieter müssen in den nächsten 24 Monaten frisches Kapital aufnehmen
- Schere bei der Nutzung: Während Frankreich rund 75% der Haushalte aktiviert hat, sind es in Deutschland nur ca. 10-15%
- Konsolidierung: 71% der Experten erwarten hohe M&A-Aktivität in Deutschland
MÜNCHEN, 12. Mai 2026 – Der Glasfasermarkt in Europa und Deutschland befindet sich in einem radikalen Umbruch. Die ehrgeizigen Businesspläne der letzten Jahre kollidieren mit den aktuellen Marktrealitäten. Ein steigender Refinanzierungsbedarf und ein lauter Ruf nach Konsolidierung sind die Folge. Ein Trend, der sich in Deutschland deutlicher abzeichnet als in anderen europäischen Ländern. Dies ist das Ergebnis der aktuellen „Europäischen Glasfaserstudie 2026“ von AlixPartners, die neben dem deutschen Markt auch die Märkte in Italien, Frankreich und Großbritannien beleuchtet.
Europas Glasfasermarkt - Gleiche Megatrends, unterschiedliche Geschwindigkeiten. Deutschland liegt bei vielen Marktkennzahlen klar zurück
Die Mentalität der gesamten Branche war in den vergangenen Jahren durch „Wachstum um jeden Preis” gekennzeichnet. Inzwischen wird der Blick auf das eigentliche Businessmodell geschärft, finanzielle Fundamentaldaten der einzelnen Player rücken in den Vordergrund. Angesichts der Vielzahl anstehender Refinanzierungen, prüfen die Kreditgeber und Investoren die Marktdurchdringungsraten und die Kosteneffizienz so genau wie nie zuvor.
Der aktuelle Bericht beschreibt vier wichtige Trends, die die Herausforderungen widerspiegeln, denen sich europäische Glasfaserunternehmen in Deutschland, Großbritannien, Italien und Frankreich gegenübersehen:
- Fokus auf Kosteneffizienz: Um Liquidität zu sichern, müssen Betreiber ihre Kosten massiv senken. 28% (Vj. 14%) nennen Kostenoptimierung nun als primäres Ziel.
- Enorme Lücke bei der Auslastung: Nach Jahren unterdurchschnittlicher Geschäftsplan-Ergebnisse kippt das Stimmungsbild bei Kreditgebern und Investoren. Diese schauen zunehmend kritisch auf Auslastung und Einnahmen. Während europaweit immer mehr Haushalte an das Glasfasernetz angeschlossen werden, können die Investitionen nur unzureichend monetarisiert werden: Während in Frankreich ca. 75% aller Haushalte aktiviert wurden, liegt dieser Wert in Deutschland bei nur ca. 10-15%. Auch bei der Netzabdeckung („homes passed“) liegt Deutschland (ca. 40-45%) weit hinter Frankreich (ca. 90%) oder Großbritannien (ca. 70%).
- Steigender Finanzierungsbedarf: 65% der Glasfaserunternehmen in Europa benötigen bis 2027 eine Refinanzierung. In Deutschland sind es 62% in den kommenden 12-24 Monaten. Ein Drittel erwartet Verletzungen bestehender Kreditverträge.
- Marktkonsolidierung: Der Druck zwingt zur Bereinigung. In Deutschland erwarten 71% (Vj. 37%) ein hohes oder sehr hohes Niveau an M&A-Aktivitäten. 41% erwarten Notverkäufe von Unternehmen in Deutschland.
Klaus Hölbling, Partner & Managing Director bei AlixPartners und Leiter der TMT-Practice in EMEA, sagt: „Den Glasfaser-Unternehmen steht ein herausforderndes Geschäftsjahr bevor. Die Devise ‚Wachstum um jeden Preis‘ hat ausgedient. Kreditgeber und Investoren schauen sehr genau, wie die einzelnen Player ihre Investitionen der vergangenen Jahre in nachhaltige Umsätze überführen können. Das wird nicht allen Akteuren gleichermaßen gelingen. 71% aller von uns befragten Kreditgeber erwarten eine starke M&A-Welle zur Konsolidierung des Marktes. Entscheidend wird sein, die Kosten zu reduzieren, Kunden zügig anzuschließen und die knappen zur Verfügung stehenden Mittel zur weiteren Finanzierung effizient zu nutzen.“
Über diese Studie
Für die „Europäische Glasfaserstudie 2026“ wurden durch AlixPartners ca. 200 Marktexperten aus Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Italien zu operativen, kommerziellen, finanziellen und M&A-Themen befragt. Die Teilnehmenden setzten sich aus Investoren, Kreditgebern und Führungsteams von Netzbetreibern zusammen.
Über AlixPartners
Expertise, Umsetzungsstärke, Verantwortung – AlixPartners steht für messbare Ergebnisse „when it really matters“. Als global agierende Unternehmensberatung helfen wir unseren Klienten dabei, schnell und entschlossen auf ihre wichtigsten Herausforderungen zu reagieren. Unsere erfahrenen Beraterinnen und Berater sind spezialisiert darauf, Unternehmenswerte zu schaffen, zu schützen und wiederherzustellen. Vom „manager magazin“ und der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Management & Beratung (WGMB) wurde AlixPartners 2025 erneut für seine Umsetzungsstärke ausgezeichnet. Seit über 40 Jahren unterstützen rund 3.500 MitarbeiterInnen in 26 Büros weltweit die Klienten von AlixPartners.
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