Die Berylls by AlixPartners TOP 100 Zuliefererstudie 2026
- 15 Jahre TOP 100-Zuliefererstudie, erstmals chinesisches Unternehmen in den Top 3: CATL.
- Globale Fahrzeugproduktion steigt – doch die TOP 100-Zulieferer kämpfen mit sinkenden
Umsätzen und schwachen Margen. - Der Wettbewerbsdruck aus China wächst – in Asien, aber auch in Europa.
- E-Mobilität entwickelt sich regional sehr unterschiedlich, besonders amerikanische und
südkoreanische OEMs verzögern Programme. - OEMs üben wieder verstärkt Druck auf ihre Lieferanten aus.
- Handelskonflikte und Standortkosten verändern globale Lieferketten. Und Finanzierung
bleibt zentrale Herausforderung.
MÜNCHEN, 22. Mai 2026 – Die weltweite Automobilindustrie befindet sich in einem tiefgreifenden
Strukturwandel. Zwar stieg die globale Fahrzeugproduktion im Jahr 2025 um rund vier Prozent auf
92,9 Millionen Fahrzeuge, doch von diesem Wachstum konnten die 100 größten Automobilzulieferer
kaum profitieren. Ihr kumulierter Umsatz sank um 2,2 Prozent auf 1.061 Milliarden Euro, wie die 15.
Ausgabe der Berylls by AlixPartners TOP 100-Zuliefererstudie zeigt. Hauptursachen waren
ungünstige Wechselkurse, eine schwächere Nachfrage nach Elektrofahrzeugen außerhalb Chinas
sowie zunehmende geopolitische und wirtschaftliche Belastungen.
Auch die zehn größten Automobilhersteller verzeichneten rückläufige Umsätze und einen massiven
Einbruch ihrer Profitabilität. Besonders deutlich zeigt sich der Wandel am Aufstieg chinesischer
Unternehmen, die das Innovationstempo und die Marktstruktur der Branche zunehmend
bestimmen.
Steigende Produktion reicht nicht mehr für Zulieferer-Wachstum
Dr. Jan Dannenberg, Partner und Managing Director sowie Co-Leader der DACH-Region bei
AlixPartners, sagt: „Obwohl 2025 weltweit mehr Fahrzeuge produziert wurden als im Vorjahr, blieb
das Wachstum ungleich verteilt. Während China seine Produktion zweistellig ausbaute und
inzwischen rund 30 Prozent der globalen Fahrzeugfertigung stellt, stagnierten oder schrumpften die
Produktionsvolumina in Europa, den USA und Südkorea. Die höheren Produktionszahlen führten
jedoch nicht automatisch zu steigenden Umsätzen bei den Zulieferern. Rund 62 der 100 größten
Zulieferunternehmen mussten Umsatzrückgänge hinnehmen. Selbst ohne negative
Wechselkurseffekte wäre das Wachstum nur minimal ausgefallen.“
Parallel dazu verschob sich der Fahrzeugmix zunehmend in Richtung preisgünstiger Klein- und
Mittelklassemodelle, insbesondere im chinesischen Markt. Dadurch sank der Generaldurchschnittliche Fahrzeugwert, was die Umsätze von OEMs und Zulieferern gleichermaßen
belastete.
Margendruck erreicht neue Dimension
Noch stärker als die Umsätze geriet die Profitabilität der Branche unter Druck, auch das zeigt die
TOP 100-Studie. Die durchschnittliche Marge der zehn größten Fahrzeughersteller fiel von 6,9 auf
nur noch 4,2 Prozent. Einzelne Unternehmen wie Stellantis rutschten sogar tief in die Verlustzone.
Auch die Zulieferindustrie blieb von dieser Entwicklung nicht verschont. Die durchschnittliche Marge
der TOP 100-Zulieferer sank von 5,8 auf 5,2 Prozent. Besonders betroffen waren Unternehmen mit
hoher Abhängigkeit von der Elektromobilität. Schwankende Nachfrage, verschobene
Fahrzeuganläufe und politische Unsicherheiten führten zu hohen Sonderabschreibungen und
Überkapazitäten.
China prägt die neue Wettbewerbsordnung
Dr. Alexander Timmer, Partner und Managing Director bei Berylls by AlixPartners, sagt: „Die
Dynamik der Branche wird zunehmend von chinesischen Unternehmen bestimmt. Zum ersten Mal
ist China, gemessen an der Anzahl vertretener Unternehmen, die drittgrößte Nation im Ranking der
TOP 100-Zulieferer und liegt beim Umsatzanteil inzwischen nahezu gleichauf mit den USA. Mit CATL
schaffte es erstmals ein chinesischer Zulieferer auf Rang drei der weltweit größten
Automobilzulieferer.“
Gleichzeitig wachsen chinesische Unternehmen deutlich schneller als ihre internationalen
Wettbewerber. Während die globalen TOP 100-Zulieferer in den vergangenen fünf Jahren
durchschnittlich um knapp sechs Prozent jährlich wuchsen, erzielten die chinesischen Unternehmen
durchschnittliche Wachstumsraten von rund 16 Prozent pro Jahr. Zusätzlich entstehen in China neue
Technologieführer im Bereich autonomes Fahren und softwarebasierter Mobilität. Unternehmen
wie Huawei, Horizon Robotics oder Momenta investieren massiv in Zukunftstechnologien und
profitieren dabei von einer klaren industriepolitischen Unterstützung.
Der strukturelle Vorteil Chinas basiert dabei nicht nur auf Innovation, sondern auch auf langfristig
niedrigeren Produktionskosten. Seit dem Jahr 2000 sind die Erzeugerpreise in China deutlich
langsamer gestiegen als in Deutschland oder den USA. Dadurch verfügen chinesische Zulieferer
heute über erhebliche Kostenvorteile gegenüber westlichen Wettbewerbern.
Elektromobilität entwickelt sich regional sehr unterschiedlich
Die Entwicklung der Elektromobilität verläuft zunehmend uneinheitlich. Während chinesische
Hersteller ihre Elektrostrategie konsequent fortsetzen, verzögern westliche OEMs zahlreiche
batterieelektrische Programme deutlich. Besonders stark betroffen sind US-amerikanische und
südkoreanische Hersteller. Gleichzeitig verlängern viele westliche OEMs die Laufzeiten ihrer
Verbrennerplattformen, um bestehende Produktionsanlagen besser auszulasten und kurzfristig
Liquidität zu sichern. Die Rücknahme staatlicher Förderungen – insbesondere in den USA –
verschärfte diese Entwicklung zusätzlich. Dadurch entstehen erhebliche Belastungen für Zulieferer,
die bereits hohe Investitionen in Elektromobilität getätigt haben. Produktionskapazitäten bleiben
länger unausgelastet, Kapital bindet sich über längere Zeiträume und die Finanzierungskosten
steigen.
OEMs erhöhen den Druck auf ihre Lieferketten
Angesichts sinkender Gewinne konzentrieren sich die Fahrzeughersteller wieder stärker auf
Kostensenkungen. Besonders betroffen ist dabei der Materialaufwand – und damit die
Zulieferindustrie.
Dr. Jürgen Simon, Partner bei Berylls by AlixPartners: „Die Folge sind härtere Preisverhandlungen,
längere Claiming-Prozesse und eine restriktivere Unterstützung angeschlagener Lieferanten.
Gleichzeitig zeigt sich, dass vor allem technologisch anspruchsvolle Segmente ihre Profitabilität
besser verteidigen können. Halbleiterhersteller bleiben mit Abstand das margenstärkste Segment
der Branche.“ Hohe Eintrittsbarrieren, technologische Komplexität und geopolitische Abhängigkeiten
verschaffen ihnen weiterhin erhebliche Verhandlungsmacht gegenüber OEMs. Dagegen geraten
Anbieter austauschbarer Standardkomponenten zunehmend unter Druck.
Handelskonflikte und Standortkosten verändern globale Lieferketten
Der eskalierende Handelskonflikt zwischen Europa und den USA belastete im Jahr 2025 die
transatlantischen Lieferströme massiv. Sowohl Importe als auch Exporte gingen deutlich zurück.
Gleichzeitig verloren europäische Unternehmen Marktanteile in China und Indien, während die
Exporte Asiens nach Europa zunahmen. Dabei entwickelt sich Indien zunehmend zu einem
strategischen Gewinner der globalen Neuordnung. Zahlreiche Zulieferer investieren dort in neue
Werke und Entwicklungszentren. Staatliche Förderprogramme und Anforderungen an lokale
Wertschöpfung beschleunigen diesen Trend zusätzlich.
Deutschland hingegen erlebt einen deutlichen Rückbau industrieller Kapazitäten. Mehrere
Werksschließungen, umfangreiche Stellenabbauprogramme und ausbleibende Neuansiedlungen
verdeutlichen den strukturellen Druck auf den Standort. Dr. Jan Dannenberg erläutert: „In den
letzten acht Jahren sind in der deutschen Autoindustrie etwa 100.000 Arbeitsplätze verloren
gegangen. Dieser Trend ist in den nächsten Jahren nicht aufzuhalten. Und Deutschland baut
Standorte ab, die woanders neu entstehen. Wir sprechen mittlerweile von einer Reduktion der
Wertschöpfung in unserer Industrie um 20 bis 25 Prozent. Die nächsten drei bis fünf Jahre werden
bitter für die deutsche Zulieferindustrie. Vor allem für Mittelständler, die ihr Geschäft noch nicht stark internationalisiert haben.“
Finanzierung bleibt zentrale Herausforderung
Die Transformation der Branche erfordert hohe Investitionen in neue Technologien,
Produktionsnetzwerke und Digitalisierung. Gleichzeitig erschweren sinkende Margen und steigende
Finanzierungskosten den Zugang zu Kapital. Dr. Alexander Timmer sagt dazu: „Während sich die
Aktienmärkte 2025 teilweise erholten und viele Zulieferer deutliche Kursgewinne verzeichneten,
bleiben Banken und Fremdkapitalgeber vorsichtig. Die Branche befindet sich damit in einem
Spannungsfeld zwischen notwendiger Transformation und begrenzter finanzieller
Handlungsfähigkeit.“
Ausblick: Anpassungsfähigkeit wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor
In den kommenden Jahren werden Flexibilität, regionale Präsenz und technologische
Innovationskraft über den Erfolg der Zulieferer entscheiden. Die Branche bewegt sich zunehmend in
Richtung „Local for Local“: Produktion und Lieferketten werden regionalisiert, um Handelsrisiken zu
reduzieren und Kundennähe zu gewährleisten. Gleichzeitig eröffnen chinesische OEMs durch ihre
internationale Expansion neue Geschäftsmöglichkeiten für westliche Zulieferer. „Zusätzliche
Wachstumsfelder entstehen im Aftermarket-Geschäft, in Non-Automotive- Bereichen sowie durch
den verstärkten Einsatz von künstlicher Intelligenz, Robotik und Automatisierung“, sagt Dr. Jürgen
Simon und fügt hinzu: „Unternehmen, die diese Technologien konsequent integrieren und
gleichzeitig ihre Kostenstrukturen optimieren, können sich langfristige Wettbewerbsvorteile
sichern.“ Die entscheidende Herausforderung bleibt jedoch die Finanzierung dieser Transformation.
Erfolgreiche Zulieferer werden deshalb ihre Portfolios fokussieren, nicht-strategische
Geschäftsbereiche veräußern und ihre Kapitalbindung konsequent reduzieren müssen.
Die Automobilindustrie steht damit vor einer neuen Phase des globalen Wettbewerbs, die von
geopolitischen Verschiebungen, technologischer Neuordnung und dem Aufstieg Chinas zur
dominierenden Kraft der Branche geprägt ist.
Mehr Infos unter: https://www.berylls.com/featured-insights/
Über Berylls by AlixPartners
Berylls by AlixPartners ist eine auf die Automobilitätsindustrie spezialisierte Strategieberatung. Mit
Experten in Deutschland, China, Großbritannien, Südkorea, Nordamerika, Österreich und in der
Schweiz deckt Berylls alle Zukunftsthemen ab, um im Ökosystem der Automobilität erfolgreich,
zukunftsfähig und digital zu sein. Unsere Experten bieten den Kunden End-to-End-Unterstützung
von der Strategie bis zur finalen Umsetzung an.
Über AlixPartners
Expertise, Umsetzungsstärke, Verantwortung – AlixPartners steht für messbare Ergebnisse „when it
really matters“. Als global agierende Unternehmensberatung helfen wir unseren Klienten dabei,
schnell und entschlossen auf ihre wichtigsten Herausforderungen zu reagieren. Unsere erfahrenen
Beraterinnen und Berater sind spezialisiert darauf, Unternehmenswerte zu schaffen, zu schützen
und wiederherzustellen. Vom „manager magazin“ und der Wissenschaftlichen Gesellschaft für
Management & Beratung (WGMB) wurde AlixPartners 2023 als umsetzungsstärkstes
Beratungsunternehmen ausgezeichnet. Seit über 40 Jahren unterstützt AlixPartners seine Klienten –
mit inzwischen rund 3.500 Mitarbeitenden in 27 Büros weltweit.
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