Unternehmen in der DACH-Region stehen vor der Refinanzierung von über 150 Milliarden Euro Schulden – einer Herausforderung angesichts sinkender freier Cashflows
- Umsätze und EBITDA der Unternehmen wachsen, doch der freie Cashflow stagniert seit 2019
- Zinslast hat sich nahezu verdoppelt und bindet inzwischen rund 30 % des freien Cashflows
- Besonders stark betroffen ist die Automobilbranche: Ein Rückgang des freien Cashflows um knapp 50 % trifft auf eine deutlich höhere Verschuldung sowie eine um rund 220 % gestiegene Zinslast.
MÜNCHEN, 16. APRIL 2026 – Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz stehen vor einer entscheidenden Refinanzierungsphase. Laut dem aktuellen DACH Debt Report der globalen Unternehmensberatung AlixPartners werden 2027 bei den rund 1.000 untersuchten Unternehmen Schulden in Höhe von insgesamt 151 Milliarden Euro fällig. Ein erheblicher Teil davon entfällt auf Unternehmen ohne Investment-Grade-Rating, die mit strengeren Finanzierungsbedingungen und höheren Kapitalkosten rechnen müssen.
Die Ertragslage der untersuchten DACH-Unternehmen wirkt auf den ersten Blick solide. Seit 2019 stiegen ihre Umsätze und ihr EBITDA um über 30 %. Im selben Zeitraum entwickelte sich der freie Cashflow kaum und legte nur um 1 % zu. Zeitgleich erhöhte sich der absolute Zinsaufwand aber um knapp 90 %. Der finanzielle Druck nimmt damit spürbar zu: Inzwischen werden fast 30 % des freien Cashflows für Zinszahlungen verwendet. Dieser Anteil lag 2019 noch bei etwa 15 %. Für Investitionen in Digitalisierung, Dekarbonisierung und Innovation bleibt den Unternehmen damit zunehmend weniger Spielraum.
„Die Bilanzen vieler DACH-Unternehmen sind infolge mehrerer aufeinanderfolgender Krisen weiterhin strukturell hoch verschuldet. Diese Altlasten treffen auf ein operatives Umfeld, in dem sich freie Cashflows über Jahre kaum verbessert haben – unter anderem aufgrund anhaltender Nachfrageschwäche. Der finanzielle Spielraum der Unternehmen bleibt damit strukturell eingeschränkt“, sagt Dr. Rainer Bizenberger, Partner & Managing Director sowie Co-Head Turnaround and Restructuring DACH bei AlixPartners.
Trotz Leitzins-Senkungen bleiben Finanzierungskosten hoch – Rückgang von Private-Debt-Finanzierungen erhöht Herausforderungen bei Refinanzierung weiter
Obwohl der EZB-Leitzins im Jahr 2025 in Summe um einen Prozentpunkt gesenkt wurde, sind die langfristigen Finanzierungskosten des Staates und der Unternehmen in den letzten Monaten weiter gestiegen. Die Finanzierungskosten bleiben hoch und könnten weiter steigen.
Auch Private Debt als alternative Finanzierungsquelle verliert an Verlässlichkeit. Nach einer Welle von Rücknahmeanträgen durch ihre eigenen Investoren haben mehrere große Kreditfonds ihre Auszahlungen seit Jahresbeginn eingeschränkt. Die BaFin wertet dies als Warnsignal. Für viele Unternehmen entfällt damit eine wichtige Alternative zur Finanzierung durch klassische Darlehen und Anleihen.
„Während die Umsatz- und Ergebnisentwicklung vieler DACH-Unternehmen eine Erfolgsgeschichte erzählt, zeichnet die Cashflow-Entwicklung ein deutlich anderes Bild. Unternehmen, die sich auf EBITDA-Wachstum verlassen, ohne die tatsächliche Cash-Generierung im Blick zu haben, gehen mit unnötig hohen Kapitalanforderungen in die nächste Refinanzierungsrunde. Ein stärkerer Fokus auf Cashflows zahlt sich spätestens dann aus“, sagt Alban Baiker, Partner und Managing Director bei AlixPartners.
Automobilindustrie: Die Branche mit dem größten Handlungsdruck
Die Automobilindustrie in der DACH-Region steht unter besonders hohem Druck. Zwar ist ihr Umsatz seit 2019 um über 10 % gestiegen, der freie Cashflow ist im selben Zeitraum jedoch um knapp 50 % eingebrochen. Gleichzeitig ist der absolute Zinsaufwand um etwa 220 % gestiegen und beansprucht inzwischen über 60 % des freien Cashflows – 2019 lag dieser Anteil noch bei etwa 10 %. Auch die Nettoverschuldung ist zuletzt deutlich gestiegen: Der Net Leverage, also die Nettoverschuldung im Verhältnis zum EBITDA, hat sich von 3,7x in 2023 auf 5,8x in den letzten verfügbaren Geschäftszahlen erhöht.
Hinzu kommt, dass Automotive-Unternehmen Cash deutlich langsamer freisetzen als noch vor wenigen Jahren. Der Cash Conversion Cycle (also der Zeitraum, um investiertes Kapital durch Verkäufe wieder in liquide Mittel umzuwandeln) liegt 10 Tage über dem Niveau von 2019, die Lagerreichweite (DIO) sogar 16 Tage darüber. Damit wird unnötig viel Kapital gebunden, das finanziert werden muss.
„Keine andere Industrie in der DACH-Region durchläuft eine Transformation dieser historischen Dimension – und muss diese gleichzeitig unter so schwierigen Finanzierungsbedingungen bewältigen. Entscheidend wird am Ende nicht allein sein, wer die besten Produkte hat, sondern wer über die finanzielle Stärke verfügt, auch in einem längeren Abschwung weiter investieren zu können“, sagt Dr. Xing Zhou, Co-Head Automotive and Industrial bei AlixPartners in der DACH-Region.
Ein PDF der vollständigen Studie finden Sie hier.
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