Refinanzierungsdruck auf Schweizer Unternehmen nimmt zu: 2027 werden in der DACH-Region mehr als 150 Mrd. Euro Unternehmensschulden fällig

16. April 2026
  • Umsätze und EBITDA der Unternehmen wachsen, doch der freie Cashflow stagniert seit 2019
  • Zinslast hat sich nahezu verdoppelt und bindet inzwischen rund 30 % des freien Cashflows
  • Vor allem der Exportsektor kämpft in der Schweiz weiter mit Gegenwind: Neben der wirtschaftlichen Schwäche anderer europäischer Länder belasten ein hoher Franken sowie hohe Energiekosten die Profitabilität der Schweizer Unternehmen

ZÜRICH, 16. APRIL 2026 – Unternehmen in der Schweiz sowie in den Nachbarländern Deutschland und Österreich stehen vor einer entscheidenden Refinanzierungsphase. Laut dem aktuellen «DACH Debt Report» der globalen Unternehmensberatung AlixPartners werden bei den rund 1.000 untersuchten Unternehmen 2027 Schulden in Höhe von insgesamt 151 Milliarden Euro fällig. Ein erheblicher Teil davon entfällt auf Unternehmen ohne Investment-Grade-Rating, die mit strengeren Finanzierungsbedingungen und höheren Kapitalkosten rechnen müssen.

Die Ertragslage der untersuchten DACH-Unternehmen wirkt auf den ersten Blick solide: Seit 2019 stiegen die Umsätze der Unternehmen sowie ihr EBITDA um über 30 %. Interessant dabei: Das Inflationsniveau in der Schweiz blieb mit 5 % kumuliert über die Jahre 2019 bis heute auf einem niedrigen Niveau – im Vergleich zu den Nachbarn Deutschland, die im gleichen Zeitraum ein kumuliertes Inflationsniveau von 20%, sowie Österreich von kumuliert 26 % aufwiesen. Im selben Zeitraum entwickelte sich der freie Cashflow kaum und legte nur um 1 % zu. Zeitgleich erhöhte sich der absolute Zinsaufwand aber um knapp 90 %. Der finanzielle Druck nimmt damit spürbar zu: Inzwischen werden fast 30 % des freien Cashflows für Zinszahlungen verwendet. Dieser Anteil lag 2019 noch bei etwa 15 %. Für Investitionen in Digitalisierung, Dekarbonisierung und Innovation bleibt den Unternehmen damit zunehmend weniger Spielraum. «Die Bilanzen vieler DACH-Unternehmen sind infolge mehrerer aufeinanderfolgender Krisen weiterhin strukturell hoch verschuldet. Diese Altlasten treffen auf ein operatives Umfeld, in dem sich freie Cashflows über Jahre kaum verbessert haben – unter anderem aufgrund anhaltender Nachfrageschwäche. Der finanzielle Spielraum der Unternehmen bleibt damit strukturell eingeschränkt», sagt Dr. Rainer Bizenberger, Partner & Managing Director sowie Co-Head Turnaround and Restructuring DACH bei AlixPartners.

Trotz Leitzins-Senkungen bleiben Finanzierungskosten hoch – Rückgang von Private-Debt-Finanzierungen erhöht Herausforderungen bei Refinanzierung weiter Obwohl die Zentralbanken ihre Leitzinsen im Jahr 2025 gesenkt haben und der SNB-Leitzins wieder bei 0% liegt, bleiben die langfristigen Finanzierungskosten hoch. Während die Renditen langfristiger Staatsanleihen in vielen europäischen Ländern deutlich gestiegen sind, fällt der Anstieg in der Schweiz aufgrund niedriger Inflationserwartungen moderat aus. Zudem bleibt der Leitzins der Schweizerischen Nationalbank auf einem sehr niedrigen Niveau, was die Rolle des Schweizer Frankens als sicheren Hafen zusätzlich unterstreicht.

Auch Private Debt als alternative Finanzierungsquelle verliert an Verlässlichkeit. Nach einer Welle von Rücknahmeanträgen durch ihre eigenen Investoren haben mehrere grosse Kreditfonds ihre Auszahlungen seit Jahresbeginn eingeschränkt. Für viele Unternehmen entfällt damit eine wichtige Alternative zur Finanzierung durch klassische Darlehen und Anleihen.

Gegenwind macht sich auch bei Schweizer Unternehmen bemerkbar

Auch in der Schweiz ist der finanzielle Druck auf Unternehmen spürbar. Die stark exportorientierte Wirtschaft der Schweiz ist von der Schwäche grosser EU-Volkswirtschaften sowie der Zoll-Problematik bei Exporten in die USA betroffen. Hinzukommen im europäischen Vergleich sehr hohe Faktorkosten bei Personal und Energie, die die Profitabilität der Schweizer Industrie negativ beeinflussen und die durch den starken Franken zusätzlich verstärkt werden. «Auch für die Schweizer Unternehmen wird die Refinanzierung schwieriger, trotz eines im Vergleich zum Euro-Raum niedrigen Zinsniveaus. Das ist zum einen durch die anhaltenden geo- sowie wirtschaftspolitischen Unsicherheiten, eine schwächere Dynamik in wichtigen Absatzmärkten und die besondere Exponiertheit vieler exportorientierter Schweizer Unternehmen getrieben. Zum anderen sehen wir Kreditgeber, die zunehmend selektiv agieren sowie alternative Finanzierungsquellen wie Private-Debt-Fonds, die an Verlässlichkeit verlieren. Vor diesem Hintergrund kann aus einer latenten Belastung schnell ein akutes Refinanzierungsproblem entstehen», erklärt Dr. Karsten Lafrenz, Restrukturierungsexperte sowie Partner und Managing Director im Zürcher Büro von AlixPartners. Laut dem Experten sind dabei vor allem Unternehmen aus den Bereichen Chemie, Industrie, aber auch dem Dienstleistungssektor in den kommenden Monaten besonders gefordert. «Grundsätzlich und unabhängig von der Branche gilt jedoch für alle Schweizer Unternehmen umso klarer: Konsequentes Cashflow-Management und eine proaktive Auseinandersetzung mit der eigenen Finanzierungsstruktur sind längst keine Kür mehr, sondern eine strategische Notwendigkeit», so Lafrenz weiter. Dies spiegelt sich auch in den stark gestiegenen Unternehmensinsolvenzen wider. DACH-weit weist die Schweiz den absolut höchsten Anstieg an Insolvenzen auf. Zwar spielt dabei auch die konsequentere Anwendung des revidierten Schuldbetreibungs- und Konkursgesetzes (SchKG) eine Rolle, ist aber insbesondere durch die sinkende Profitabilität und eine erschwerte Finanzierung getrieben.

Ein PDF der vollständigen Studie finden Sie hier.

 

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