Berylls by AlixPartners TOP 100 Supplier Study 2026: Abschwung trifft Schweizer Automotive-Zulieferer und ihre verdeckte Wertschöpfungskette besonders hart

06. August 2026
  • Die globale Fahrzeugproduktion steigt weiter, doch die 100 grössten Automobilzulieferer verzeichnen sinkende Umsätze und anhaltenden Margendruck.
  • Handelskonflikte, Kostenunterschiede und die wachsende Bedeutung chinesischer Anbieter verändern Marktanteile, Lieferketten und Produktionsnetzwerke weltweit.
  • In der Schweiz gerät eine breite, oft verdeckte Wertschöpfungskette für die Automobilindustrie unter Anpassungsdruck.

ZÜRICH, 06. August 2026 – Die weltweite Automobilindustrie befindet sich in einem tiefgreifenden Strukturwandel. Zwar stieg die globale Fahrzeugproduktion von 2024 auf 2025 um 0,6 Prozent, doch die 100 grössten Automobilzulieferer konnten davon nicht profitieren: Ihr kumulierter Umsatz sank im selben Zeitraum um 2,2 Prozent auf 1'061 Milliarden Euro, während die Margen weiter unter Druck gerieten. Gleichzeitig verändern Handelskonflikte, Kostenunterschiede und die wachsende Bedeutung chinesischer Anbieter die globale Landkarte der Branche. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle «TOP 100 Supplier Study 2026» von Berylls by AlixPartners.

Globale Verschiebungen treffen die Automobil-Zulieferindustrie

Die Studie beschreibt eine Branche, in der sich das globale Wachstum zunehmend ungleich verteilt. China gewinnt Marktanteile in nahezu allen Dimensionen und baut seine Position im Kreis der Top-100-Zulieferer weiter aus. Gleichzeitig geraten westliche Anbieter wegen sinkender Margen, wachsendem Wettbewerbsdruck sowie veränderten Handelsströmen und hohen Standortkosten zunehmend unter Anpassungszwang.Wie gross der finanzielle Druck ist, zeigen zwei Kennzahlen: einerseits der Zinsdeckungsgrad, der mit 6,3 auf das seit Jahren niedrigste Niveau gefallen ist, andererseits die CAPEX-Quote, die ebenfalls mit 3,8 Prozent auf dem seit Jahren niedrigsten Niveau liegt. Damit steigen die Anforderungen an Liquiditätssicherung, Margendisziplin, Portfoliosteuerung und die Überprüfung des eigenen Footprints.

Schweizer Zuliefererindustrie kämpft mit hohen Umsatzeinbrüchen und geringer Profitabilität

In der Schweiz, mit insgesamt über 600 auf die Automobilindustrie spezialisierten Zulieferunternehmen, die über 100.000 Mitarbeitende beschäftigen und global mehr als 20 Mrd. CHF erwirtschaften, sorgt die Dynamik im globalen Automobilsektor für deutlich steigenden Druck: Zulieferer wie ST Micro – einziger Schweizer Vertreter im Top-100-Ranking – sowie hierzulande ansässige Nischenzulieferer, darunter Autoneum, Dätwyler, Feintool, Huber+Suhner, Bossard und Oerlikon, verzeichneten im Vorjahr einen Umsatzeinbruch von -13,4 Prozent. Ein Wert, der nicht nur deutlich über dem Umsatzrückgang der Top-100-Zulieferer von -2,2 Prozent liegt, sondern darüber hinaus einen seit Jahren bestehenden Abwärtstrend unterstreicht. Bereits 2024 fuhren die Schweizer Zulieferer einen Umsatzrückgang von 14,9 Prozent ein, während der Rückgang bei den Top-100-Playern bei -4,3 Prozent lag. Auch in Sachen Profitabilität hinken die Schweizer Zulieferer im Vergleich zu den Top-100 hinterher. So lag die durchschnittliche Profitabilität in 2025 bei 4,9 Prozent, wohingegen die Top-100 auf 5,2 Prozent kamen. Auch in den Jahren 2023 sowie 2024 lag man jeweils unter dem Niveau der Top-100.

Automobilindustrie für Schweizer Wirtschaft hoch relevant

Erschwerend kommt hinzu, dass ein grosser Teil der Schweizer Automotive-Wertschöpfung in diversifizierten Geschäftsmodellen steckt, die in keiner klassischen Zuliefererstatistik auftauchen, wie Frank Heines, Partner, Berylls by Alix Partners, erläutert. «Die Schweiz verfügt über eine hohe Anzahl indirekter Zulieferer, die nicht ausschliesslich auf die Automobilindustrie spezialisiert sind. Dazu gehören vor allem Unternehmen aus den Bereichen Engineering, Automation und Produktionsausrüstung, industrielle Dienstleistungen sowie Materialien. Und genau in diesen Nischen fallen Umsätze und Margen deutlich schneller als im globalen Durchschnitt», so Heines.

Die Kombination aus einer starken, direkten Zulieferbasis und der Vielzahl an indirekten Playern macht die Automobilindustrie für den Wirtschaftsstandort Schweiz volkswirtschaftlich hoch relevant. Genau darin liegt die grosse Herausforderung: «Wenn es den heimischen Zulieferunternehmen nicht gelingt, international wieder Anschluss zu finden und Umsätze sowie Profitabilität in den nächsten ein bis zwei Jahren weiter sinken, hat das für die Schweizer Gesamtwirtschaft erhebliche Konsequenzen. Vor allem, weil eben Unternehmen aus den unterschiedlichsten Industriezweigen indirekt von der Entwicklung des Automobilsektors betroffen sind», sagt Jürgen Simon, Partner, Berylls by Alix Partners.

Traditionelle Geschäftsmodelle auf dem Prüfstand: Anpassungsfähigkeit schlägt Grösse

Wollen die Schweizer Zulieferer ihre Wettbewerbsfähigkeit sicherstellen, müssen auch sie sich Gedanken machen, ob und wie sie sich an das strukturell im Wandel begriffene und hochdynamische globale Marktumfeld anpassen können. Dabei geht es nicht nur darum, wie Schweizer Zulieferer Marktanteile gewinnen können, sondern vor allem um die Frage, wie anpassungsfähig die oftmals traditionellen Geschäftsmodelle im gegenwärtigen Wettbewerbsumfeld noch sind. «Gerade bei den Nischenplayern ist der Anpassungsdruck immens hoch – mit steigender Tendenz», wie Jürgen Simon und Frank Heines erklären. Laut den Experten von AlixPartners müssen Zulieferer ihre Geschäftsmodelle in den kommenden Monaten und Jahren nicht nur über das Produkt, sondern darüber hinaus breiter anpassen. Dazu gehören Massnahmen zur Sicherung von Liquidität und Finanzierungsspielräumen, die Wiederherstellung der Margendisziplin, die Überprüfung des Footprints, die Schärfung des Portfolios, der Aufbau von Wachstum ausserhalb des klassischen Automotive-Geschäfts sowie der Umgang mit China- und Lieferketten-bedingten Risiken.

Hier geht es zu der vollständigen Studie.

 

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Über Berylls by AlixPartners

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